Infos : | Aus dem Vorwort von Sven Hildebrandt:
Das Wort 'Geburtskultur' mag f¨ur manches Ohr fremd und ¨uberhöht
klingen, handelt es sich doch bei der Geburt um einen Naturvorgang.
Schließlich w¨urde niemand auf den Gedanken kommen, von der 'Kul-
tur des Regens' oder der 'Kultur des Sonnenaufgangs' zu sprechen.
Ein natürliches Phänomen in einen soziokulturellen Kontext zu bringen – so
köonnte man argumentieren – bedeutet immer eine Projektion menschlicher
Bed¨urfniswelten auf Naturgesetze und somit eine romantisierende, unwis-
senschaftliche Verfremdung.
Diese Argumentation ist angesichts der heutigen Zust¨ande in den Ge-
burtskliniken nicht nur oberflächlich, sondern gefährlich. Das Gebären hat
sich in den letzten beiden Jahrhunderten so maßgeblich gewandelt, dass
die natürlichen, archaischen Elemente dieses für Mutter und Kind so be-
deutsamen Lebensmomentes nahezu vollst¨andig von einem medizinischen
Verständnis der Geburt verdräangt wurden.
Damit hat der Naturvorgangdurchaus eine kulturelle Pr¨agung erhalten.
Der Umgang der Gesellschaft mit dem Gebären, mit der Gebärenden und mit dem Kind ist somit ein
Spiegelbild des jeweiligen Wissensstandes, aber auch von gesamtgesell-
schaftlichen Haltungen. |